Wertschätzung

Gerd Brandt

Gerd Brandt

Familie, Freunde, Bekannte, Bürger der Stadt Leer, Ehrengäste und viel Presse. Sie alle waren gekommen, um dem Ostfriesen aus Neustadtgödens ihre Wertschätzung zu zeigen. Mit stehenden Ovationen, in dem vollbesetzten Kaisersaal des Rathauses der Stadt Leer, nahm Gerd Brandt (Laway) am Freitag den 24. Januar, den Wilhelmine-Siefkes-Preis für sein Lebenswerk entgegen. Damit würdigte die Jury nicht nur seine 40 jährige Bühnenarbeit, sein Engagement für die plattdeutsche Sprache und seine zahlreichen Songs. Gerd Brandt erhielt diese große Auszeichnung, weil er sich immer wieder mit wichtigen Zeitthemen auseinandersetzt, sie thematisiert und in Projekten umsetzt. Einer mit Ecken und Kanten, der sich in seinem Leben vieles erarbeitet hat, der oben und unten kennt. Auch dafür wurde und wird Gerd Brandt wertgeschätzt.

Einen großen Anteil an der Umsetzung seiner Ideen und Arbeiten hat seine Band LAWAY, die in diesem Jahr 35 wird. Wer mit Gerd Brandt zusammenarbeitet, muss wetterfest sein. Denn nicht immer weht ein laues Lüftchen, wenn sie sich neue musikalische Themen erarbeiten. Da kommt schon manchmal heftiger Sturm auf. Aber die Wertschätzung innerhalb der Band ist groß, so groß, dass selbst ein Orkan ihr nichts anhaben kann. Und so entstehen immer wieder großartige und beachtenswerte Projekte.

Am 27. Januar (Holocaust-Gedenktag), stand LAWAY in Venne (Walburgiskirche), mit ihrem aktuellen Projekt auf der Bühne: „AS GOTTESHUSEN BRANNT HEBBEN – 75 Jahre Pogromnacht 1938“. Ein wichtiger Tag und Thema in der deutschen Geschichte, gerade auch für junge Menschen. Es war das letzte Konzert dieser Reihe, das ausschließlich in Kirchen gespielt wurde, – und es war ein sehr eindrucksvolles Konzert, ausdrucksstark warmherzig  überzeugend mit viel Tiefgang. Eine würdige Erinnerung an den Pogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November. Das Publikum zeigte seine Wertschätzung durch Standing Ovation, den höchsten Ausdruck des Gefallens.

Am 28. Januar, hatte Gerd Brandt Geburtstag. Er wurde 60 Jahre. Herzlichen Glückwunsch Ballou. Nach dem Konzert haben die Band und einige Freunde ein wenig  hinein gefeiert.
Der Norder (Stadt Norden in Friesland) Lyriker Dr. Hans-Hermann Briese (Mitgestalter, Sänger) verteilte, als kleines Dankeschön, Bücher an alle Bandmitglieder der Tour. Und wieder war sie da, die Wertschätzung untereinander.
Der Venner Folk Frühling e.V., vertreten durch den Vorstand, wünscht Gerd Brandt noch viele Jahre erfolgreiches Schaffen. Wir schätzen ihn als Musiker, Mensch und Freund. Er war auf allen bisherigen Festivals in Venne dabei und hat von Anfang an mit positiver Kritik dazu beigetragen, den Venner Folk Frühling mit zu gestalten. Ballou ist auch ein Stück Venne.

Mir fiel gestern ein Satz von Aischylos (der älteste der 3 großen griechischen Tragödiendichter) ein:

Nur die wenigsten vermögen es, ihrem besten Freund große Erfolge aufrichtig zu gönnen.
Gerade gegenüber Freunden ist das manchmal schwierig, weil man so viel voneinander weiß. Als dein Freund Ballou, der fast alle deine Ecken, Kanten, Launen, Jubelstürme, Niederlagen, kennt, -du hast meine aufrichtige Wertschätzung.

Viel mehr hätten gestern den Weg nach Venne finden können,  wenn sie gewusst hätten, dass an diesem Montagabend ein Konzert in der Kirche zu diesem auch aktuellen Thema, 75 Jahre Pogromnacht 1938 und Holocaust-Gedenktag, stattfand.  Einige Besucher aus Osnabrück hatten zufällig davon erfahren und sind spontan nach Venne gefahren. Die Begeisterung nach dem Konzert war in ihren Gesichtern zu lesen. Sie fragten mich, warum keine Ankündigung in der Neuen Osnabrücker Zeitung gestanden hätte. So ein wichtiges kulturelles Ereignis muss doch angekündigt werden.

Unser Presseverteiler schließt alle Tageszeitungen im Landkreis Osnabrück mit ein. Darüber hinaus die Rundfunk und Fernsehsender. Wir liefern zeitnah und wiederholt Informationen über unsere Veranstaltungen. Nur veröffentlichen können wir sie selber nicht (mit Ausnahme unserer Internetseite, dem Mailverteiler und unserem Flyer).
Die Fragen: was wichtig ist, was Kultur ist, was wo veröffentlicht wird, was gesendet wird, was interessant und erwähnenswert ist, was das Publikum interessieren könnte,  worüber im Anschluss berichtet wird, entscheiden nicht die Vereine/Veranstalter.  Vielmehr sind sie darauf angewiesen, dass innerhalb der Medien jemand sitzt, der die Non-Main-Stream-Informationen liest und in der Lage ist, diese entsprechend zu platzieren.

Womit wir wieder beim Thema Wertschätzung im weiteren Sinne sind.

Wikipedia schreibt dazu:

Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf eine innere allgemeine Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen. Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und Anerkennung und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit. Ein Antonym von Wertschätzung ist Geringschätzung (sie kann bis hin zur Verachtung reichen).

Es war, wie fast immer in den letzten Jahren, kein Vertreter der Presse/Medien anwesend.
Mit einer Ausnahme, – das Wittlager Quartal war an diesem Abend dabei. Danke für die Wertschätzung gegenüber der Band und auch an unserer Arbeit im Verein.

Hier z.B. noch ein Bericht aus Jever