Ewen Carruthers +

Ewen Carruthers

Ewen Carruthers

Ewen Carruthers, einer der ganz großen Songwriter ist tot. Er verstarb am 5. Oktober in Paris. Ein wunderbarer Song „Paris“ ist auf YouTube zu finden: http://www.youtube.com/watch?v=jhJn7v0lUpg

Ich habe mehrmals mit Ewen gesprochen und er wollte 2011 nach Venne kommen. Obwohl ich ihn nie persönlich kennengelernt habe, waren unsere Gespräche immer so, als würden wir uns schon ganz lange kennen. Vielleicht war es die Verbundenheit zu seiner Art von Musik. Seine Songs haben mich tief bewegt. Schade, daß ich/wir ihn nie getroffen haben.

Er war ein Künstler, der ganz offensichtlich in seinem Schaffen ein Ventil dafür gefunden hatte, all seine Gedanken und Emotionen in Form kleiner Kunstwerke aufzuarbeiten und dadurch auch zu verarbeiten. Dies zeigt das letzte Album „One red shoe“ auf eindrucksvolle Art und Weise.

Carruthers beschäftigte sich auf „One red shoe“ nicht nur mit Aspekten seines ganz persönlichen Umfelds, sondern griff Themen des Weltgeschehens auf, die Tag ein, Tag aus auf uns einprasseln, sodass wir Gefahr laufen, abzustumpfen und bei all den großen Katastrophen die darin verborgenen, abertausenden individuellen Tragödien zu übersehen.

Es ist nach Ewen Carruthers „When time turns around“ bereits das zweite Album, dass das deutsche Label Stockfisch Records von Ewen Carruthers veröffentlicht. Das vor allem für einen geradezu an Perfektionismus grenzenden, überaus hohen Anspruch, sowohl an musikalische, als auch technische Qualität der Veröffentlichungen bekannte Label aus Northeim wird damit einmal mehr einem weiteren hohen, und leider viel zu selten anzutreffenden Anspruch gerecht. Und zwar jenem, auch eher unbekannten Künstlern die ihnen zustehende Plattform zu bieten.

Denn es ist erstaunlich, aber selbst nach intensiver Suche findet man in den Weiten des Internets nur sehr wenige Informationen über den, in Kalifornien lebenden Musiker Ewen Carruthers. Insofern kann man also mit Fug und Recht behaupten, dass der Künstler ein wahrer Geheimtipp ist.

Vor allem für jene, deren Liebe dem Singer/Songwriter-Genres gilt. Denn sie werden auf diesem Album genau das in einer, in jeder Beziehung, herausragenden Qualität finden, um ihr Herz und ihre Seele zu erfreuen. Kurz mal angespielt könnte man glauben, dass man mit diesem Album ein wunderbares, ruhiges und perfekt zum Entspannen konzipiertes Album vor sich hat. Mit sanfter, niemals aufgeregter und mit warmen Timbre ausgestatteten Stimme trägt Ewen Carruthers seine stets spärlich instrumentierten Lieder vor. Aber dieser erste Eindruck trügt, denn mit dieser oberflächlichen Einschätzung liegt man bei „One red shoe“, als auch bei Even Carruthers insgesamt zwar nicht völlig falsch, sie zeigt aber nur einen Aspekt dieses neuen Albums.

Zwar finden sich auf dem Album tatsächlich eine Reihe an Liedern, die Anekdoten aus dem ganz persönlichen Leben Ewen Carruthers wiedergeben und die sich mit Erinnerungen und Gedanken befassen, die durch mitunter unscheinbare, geradezu nebensächliche Ereignissen hervorgerufen wurden. Etwa, wenn Carruthers über Erlebnisse aus seiner Schulzeit berichtet, wenn er durch einen Anruf seines Sohns an einen kleinen Ort in England erinnert wird, in dem er vor langer Zeit lebte. Oder aber ein Lied, dass durch eine Geschichte inspiriert wurde, die Carruthers auf einer langen Autofahrt seinen Enkelkindern erzählte.

Dann aber sind da auch Songs auf diesem Album zu finden, die zunächst ebenso ruhig und sanft aus den Lautsprecher tönen, hört man aber genauer hin, ihre wahre Bedeutung offenbaren. Denn sie enthalten Textzeilen, die gleich einem scharfen Dolch wie ein Stich ins Herz sind und zusammen zucken lassen. Etwa, wenn Carruthers in „Hey Katrina“ den Hurricane im Jahr 2005 mit einer wütenden Hure vergleicht, die Schlamm des Mississippi um sich schleudert und mit einer Flut aus einem Meer an Tränen das Land unter sich begräbt.

Und dann ist da die Nummer Sieben dieses Albums, die dieser Aufnahme auch den Namen gab. „One red shoe“ entstand, nachdem Ewen Carruthers fünf Jahre nach den Terroranschlägen einen Fernsehbericht über die Vorgänge am 11.September 2001 sah. Ein einzelner roter Schuh, und dahinter das, was von den Twin Towers im Süden Manhattans nach der Tragödie noch übrig blieb, war jenes Bild, das Ewen Carruthers vor sich sah. Er beschreibt dies mit folgenden Textzeilen, die die gesamte Verzweiflung und Ratlosigkeit mit wenigen Worten auf den Punkt bringen und keinerlei weiterer Erläuterungen bedürfen:

One red shoe in the middle of the street
Lost and lonely incomplete
It ain’t right no it ain’t fair
Shoes should always make a pair

Mit wieviel Herzblut und Liebe Ewen Carruthers sich seinem Schaffen widmete, zeigt schon allein das Booklet dieses Albums. Zu jedem Lied verfasste der Künstler kurze Erläuterungen und illustriert die Songtexte mit eigenen Gemälden. Auch wenn die Songs selbst zumeist eher zurückhaltend arrangiert und instrumentiert sind scharrte er eine illustre und in Summe auch sehr große Schar an Musikern für diese Aufnahme im Studio von Label-Chef Günter Pauler. Ewen Carruthers selbst übernahm die Vokal- und Gitarren-Parts, wobei er von den Sängerinnen Lea Morris und Margaret Fiellin unterstützt wird. Ian Melrose, Martin Huch und Udo Weihrauch waren an der Gitarre, dem Banjo, Dobro, der Sitar und diversen weiteren Instrumenten an „One red shoe“ beteiligt.

Johanna Single spielt Harfe und Lutz Möller saß am Klavier. Annika Lückebergfeld (Mandoline), Siard de Jong (Violine, Bouzouki), Johanna Gödecke (Flöte), Thomas Biller (Bass), Grischka Zepf(Bass) sowie Beo Brockhausen (Hulsui) und Hans-Jörg Maucksch (Bass) trugen ebenso ihren musikalischen Beitrag zu dieser hervorragenden Aufnahme bei.

Produziert wurde das Album von Günter Pauler, der, unterstützt von Ines Breuer auch am Mischpult saß. Hans-Jörg Maucksch übernahm das SACD- und CD-Pre Mastering.